Das Programm

Wie lassen sich Kulturorganisationen gestalten und zukunftsfähig weiterentwickeln? Welche Führungskultur braucht es in Kulturorganisationen? Wie können öffentliche Kulturinstitutionen in einer Gesellschaft in Transformation ihre Rolle (wieder)finden? Und was kann der ganz persönliche Beitrag in diesem Prozess sein?

Antworten auf diese und weitere Fragen rund um das Cultural Leadership der Zukunft fanden 15 Stipendiat:innen in einer achtmonatigen Pilotversion des Cultural Leadership-Stipendienprogramms in Nordrhein-Westfalen.

Das Cultural Leadership-Stipendienprogramm 2023/24

Aus der bereits seit der Corona Pandemie gereiften Forderung nach gezielter Kompetenzentwicklung im Kulturbereich – nachzulesen in den Kulturpolitischen Mitteilungen 176 – kann dank der Unterstützung der Kulturstiftung der Länder und des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft Nordrhein-Westfalen 2023 und 2024 ein Pilotprojekt mit Modellanspruch realisiert werden: Das Cultural Leadership-Stipendienprogramm.

Das Programm versteht sich als Prototyp, der durch die starke Einbindung der ersten 15 Stipendiat:innen als „Team Zero“  im laufenden Prozess kontinuierlich weiterentwickelt wird. So entsteht ein auf die Bedarfe zugeschnittenes Qualifizierungsprogramm, das sich selbst als lernendes Programm begreift. 

Umgesetzt wird das Projekt durch das Institut für Kultur- und Medienmanagement der Hochschule für Musik und Theater Hamburg (Institut KMM) in Kooperation mit dem Institut für Kulturpolitik der Kulturpolitischen Gesellschaft (KuPoGe). Mehr über uns.

Die Entwicklungsziele

Nach Abschluss des achtmonatigen Programms…

  • können die Teilnehmer:innen ihre persönliche Haltung im Führungskontext formulieren.
  • haben die Teilnehmer:innen ihre individuellen Kompetenzen in den vier wesentlichen Entwicklungsfeldern für Cultural Leadership – gemäß des eigenen Modells (s. unten) – erweitert.
  • können sich die Teilnehmer:innen im Cultural Leadership Diskurs mit seinen wichtigsten aktuellen Themen orientieren und aktiv einbringen.
  • können die Teilnehmer:innen ihre persönliche Entwicklungsziele als Führungspersonen benennen und weiter verfolgen.
  • haben die Teilnehmer:innen ein professionelles Netzwerk etabliert, das über das Programm hinaus für kollegialen Austausch genutzt wird.

Zudem erhalten die Teilnehmer:innen nach dem Abschluss des Programms ein Zertifikat in „Cultural Leadership“, ausgestellt vom Institut für Kultur- und Medienmanagement der Hochschule für Musik und Theater Hamburg.

Das Cultural Leadership-Framework © Marlene Troidl

Ein eigens entwickeltes Framework visualisiert die vier Entwicklungsfelder wirksamen Cultural Leaderships, auf die die Lernziele des Programms einzahlen: Leading Self – Leading Collaboration – Leading Change – Leading the Concept. Das Konzept fußt auf Erkenntnissen aktueller Führungstheorien sowie der Cultural Leadership-Forschung. Zentral ist außerdem der dem Modell zugrundliegende Gedanke eines kontinuierlichen Lernprozesses, in den die Kompetenzentwicklung eingebettet ist – gemäß des Ansatzes „leadership is learning“.

Das Curriculum

Die Programminhalte orientieren sich an den aktuellen Diskursen über Führung in Kulturorganisationen und den dort identifizierten Bedarfen von Cultural Leadership-Kompetenzen. Eingebettet sind diese in eine Lerndramaturgie, die in insgesamt neun Lernbögen untergliedert ist.

Das Curriculum des Cultural Leadership-Stipendienprogramms 2023/24 © Martin Zierold

Innerhalb von acht Monaten durchlaufen die Teilnehmer:innen des Pilotprojekts drei Präsenzmodule (je 2,5 Tage) und sechs Online-Kurzmodule (je 3 Stunden). Während die Präsenzmodule eine intensive Arbeit in und mit der Gruppe ermöglichen, haben die Online-Module Impulscharakter und geben Einblicke in bspw. die Cultural Leadership-Praxis, Forschung oder Kulturpolitik.

Parallel zur Modulstruktur wird zu Beginn des Programms zudem eine Peer-to-Peer-Lernstruktur etabliert, die in Form von kollegialen Lerngruppen – sogenannter Guidance Groups – im selbstorganisierten Rahmen die Vertiefung und Erweiterung des Erlernten und Erfahrenen ermöglicht. Neben der Kompetenzvermittlung steht somit auch die Vernetzung im Vordergrund, die eine Community of Practice entstehen und wachsen lässt.

Die Module in der Übersicht

  • Schwerpunkte: Grundlagen des Cultural Leadership, Reflexion persönlicher Entwicklungsziele & Lernstrategien, Etablierung der Jahrgangsgruppe und der Guidance Groups
  • Externe Gäst:innen: Dr. Katherine Heid (KuPoGe) und Steven Walter (Beethovenfest Bonn)

  • „Einführung in die kollegiale Beratung“ mit Prof. Dr. Martin Zierold und Marlene Troidl
  • „Empirische Perspektiven für Cultural Leadership“ mit Dr. Orian Brook (University of Edinburgh) und Hannes Tronsberg (Future Demand)
  • “Engagement vs. Abrenzung – Wann ist genug?” mit Prof. Dr. Barbara Hans (Institut KMM)

  • Schwerpunkte: Transformationskompetenz als Schlüsselkompetenz, Wirksam führen zwischen Strategie & Improvisation, Grundlagen der Personal- und Organisationsentwicklung, Impulse zu Next Practice Fällen
  • Praxiseinblicke: Landschaftsverband Westfalen-Lippe und Theater im Pumpenhaus
  • Externe Gäst:innen: Dr. Doreen Mölders (LWL-Museum für Archäologie und Kultur) und Dr. Johan Kolsteeg (Universität Groningen)

  • „Herausforderung Personalmanagement“ mit Meike Schlicht (METRUM Organisationsberatung) und Dr. Doreen Mölders (LWL-Museum für Archäologie und Kultur)
  • Zukunftswerkstatt I: „Diversität als Führungsaufgabe“ mit Leyla Ercan (Beraterin und Dozentin), Guy Dermosessian (Freischaffender Künstler und Kurator) und Suy Lan Hopmann (Stadtmuseum Berlin)
  • Zukunftswerkstatt II: „Krisen_Kommunikation“

  • Schwerpunkte: Praxistransfer, Future Design, Vernetzung
  • Externe Gäst:innen: Leyla Ercan (Beraterin und Dozentin) und Helge Lindh (MdB)

Die Pilotgruppe

Die Pilotgruppe beim ersten Präsenzmodul
Die Pilotgruppe © Alexandro Böhme

Die Pilotgruppe des Cultural Leadership-Stipendienprogramms besteht aus 15 im Kulturbereich Nordrhein-Westfalens tätigen Personen. Sie repräsentieren unterschiedliche Sparten sowie Tätigkeitsbereiche und bringen verschiedene Hintergründe mit. Der Wissens- und Erfahrungsaustausch in der Gruppe wird so besonders wertvoll.

Dieses „Team Zero“ setzt sich zusammen aus zwölf Frauen und drei Männern mit zwischen vier und 13 Jahren Berufserfahrung in den Tätigkeitsfeldern Presse- Öffentlichkeitsarbeit, Placemaking, Dramaturgie, Administration, Direktion, Kuration, Fundraising, Orchesterinspektorin, Produktion, Projektmanagement und Forschung.

Folgende Institutionen sind vertreten: 
Kulturforum Witten, Theater Bielefeld, Theater im Pumpenhaus, Kunstmuseum Bochum, Institut für Tanz und Bewegungskultur, Theater Bonn, Kultur Ruhr, Schauspiel Köln, Kunstmuseum Bonn, VHS-Zweckverband Diemel-Egge-Weser, Kulturdezernat der Kreisstadt Unna, Beethoven Orchester Bonn, DOMiD e.V, Kulturzentrum zakk und Kulturbüro der Stadt Wuppertal. 

Die Pilotgruppe bei der Zertifikatsverleihung © Vincent Faber